Weltwirtschaftsforum: Stolzes Japan sagt Deutschland den Kampf an – Nachrichten Geld – DIE WELT

Der japanische Premierminister Abe hielt die Eröffnungsrede in Davos. Dabei präsentierte er sich der Welt gegenüber sehr selbstbewusst – fast aggressiv. Auch die Bundesrepublik verschonte er nicht.[…]

Noch Anfang der 1990er Jahre machte Japans Wirtschaft 18 Prozent der weltweiten Wertschöpfung aus. Das Land schien alle anderen Nationen hinter sich zu lassen, selbst den Amerikanern wurde das Fürchten gelehrt. […]

Doch ein Großteil dieses Wunders basierte auf einer Immobilienblase. Als diese Ende der 1980er Jahre platzte, sah sich der Staat einer gigantischen Bankenkrise gegenüber. Seither jagt ein teures Konjunkturprogramm das nächste, und die Einnahmen wollen einfach nicht steigen.

Das liegt auch an der Abneigung der Japaner gegenüber jeglicher Art von Steuererhöhungen. Japans Staatsschulden sind jetzt auf das astronomische Niveau von einer Billiarde Yen angestiegen. Das ist eine Eins mit 15 Nullen. In Euro umgerechnet sind das rund acht Billionen Euro.

Auch in Relation zur Wirtschaftskraft bricht das Land der aufgehenden Sonne jegliche Dimensionen. Mit einer Schuldenquote von rund 240 Prozent ist es unangefochtener Spitzenreiter im weltweiten Schuldistan-Ranking. Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg gerieten die Staatsfinanzen derart aus dem Ruder wie heute.

Doch Abe ficht das nicht an. Er sieht im Gelddrucken und -ausgeben zwei wichtige Bestandteile seiner Abenomics. Ob der dritte Teil, die Strukturreformen, jemals in die Tat umgesetzt werden, bezweifeln viele Experten. Die Japaner sind nicht nur höheren Steuern gegenüber abgeneigt. Sie akzeptieren auch keine Einwanderung, die das Land dringend bräuchte, um mit seinen demografischen Problemen endlich fertig zu werden. […]

Auch für Deutschland hat Japans Premier eine Botschaft parat. Er scheint gewillt, mit einer Billiggeld-Politik den Yen gezielt zu schwächen und damit der eigenen Wirtschaft Exportvorteile zu verschaffen.

Das schwächt hiesige Konzerne, die mit ihrer Konzentration auf Automobilwirtschaft, Maschinenbau und Technologie in direkter Konkurrenz mit Japans Konzernen stehen. Darüber hinaus sind die Abenomics auch ein Angriff auf die deutsche Stabilitätspolitik. […]
DIE WELT vom 23.01.2014

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s