Dummer Journalismus

Im „Tagesspiegel“ erschien eine Art Ode an die Gewalt der Antifa und den ideologisch legitimierten Bruch der Gesetze. Kommentar zu einem zynischen Angriff auf Demokratie und Rechtsstaat.

[…] Nur wenige zaghafte Relativierungen zu den Untaten der Antifa[3] enthält der Text, der ansonsten nicht nur in der Überschrift eine Liebeserklärung an Gewalt und den ideologisch legitimierten Bruch der Gesetze ist. Er erklärt uns, die vermeintlichen Chaoten „ermöglichen uns ein Leben, in dem Rechtsextreme die Rolle spielen, die ihnen zusteht: nämlich keine.“ (Schreibfehler korrigiert) Ohne jeden Beleg oder selbst Anklang von Nachvollziehbarkeit unterstellt er, dass linksradikale Gewalt Rechtsradikalität einzudämmen vermöchte. Damit befindet er sich auf dem geistigen Niveau der Barrikadenkämpfer der Weimarer Republik, die so lange den Staat gerecht attackierten, bis Hitler an der Macht war.

Diesen Gedanken, der den ganzen Artikel durchzieht, liegt ein psychologischer Dyslogismus zugrunde: Wenn man etwas gegen Rechtsradikalismus tun wolle, sei jede Tat gut getan, und wer sich dabei der Gewalt bediene, mache das Ergebnis noch gewaltiger. Deshalb wird die Gewalt hier auch verniedlicht, etwa dürfe man jene, die jeden 1. Mai „nerven“ nicht als „hirnlose Krawallmacher abstempeln“. Schließlich:Wenn wir ehrlich sind, haben wir ihnen viel zu verdanken.“

Das schlechte Image der Antifa ist im Leberschen Wahn-Universum nicht auf ihr objektives Verhalten, sondern darauf zurückzuführen, dass sievermutlich die schlechteste Öffentlichkeitsarbeit dieses Planeten“ betreibe. Sie erkläre uns einfach nicht genug, warum sie in Wirklichkeit zu den Guten gehört. Ja, wenn sie uns nur ihre Gewalt gegen Unschuldige und Unbeteiligte sowie die Brechung fast aller Gesetze richtig vermitteln würde, sähe das sicher alles anders aus.

[…] Linke wie rechte Radikale wachsen in Wirklichkeit aus einem als unzulänglich empfundenen System und individuellen Defiziten heraus und nicht, weil man vergessen hat, sie zu verprügeln. Allerdings mit einem kleinen Unterschied. Während die Rechte traditionell eher an das Gefühl (Bodenständigkeit, nationale Werte) appelliert, ist es bei der Linken der Intellekt. Letzteres klingt an sich gut, doch weil in den Köpfen vieler Menschen zu oft zu wenig ist, kommt dabei meistens eben nichts Gescheites heraus.

Das ist Leber natürlich Wurst, weil er selber zu den vom Defizit Betroffenen gehört. Obwohl zu befürchten ist, dass er sich selbst für geistreich hält. „Wollen Nazis“ (oder alle anderen, deren Meinung mir nicht passt) „heute durch Straßen ziehen, werden sie von einem riesigen Polizeiaufgebot abgeschirmt“, freut er sich. Spätestens da wird bewusst, wie brandaktuell seine mediale Brandrede ist. Für ihn sind sicherlich auch die Egidas Ansammlungen von Rechtsradikalen, und so merkt er nicht, dass er totalitär argumentiert, nämlich für eine massive, gewalttätige und illegale Einschränkung des legalen Rechts zur Demonstration. Eine Einschränkung, die in aller Schlichtheit damit legitimiert wird, dass man eben nach eigener Einschätzung auf der richtigen Seite steht.

In Wirklichkeit aber steht er arrogant auf der Seite der Macht, die mit demokratischen Rechtsvorstellungen schon immer ein Problem hatte. Mit einer Handbewegung wischt er Jahrhunderte demokratischer Entwicklung beiseite, die uns eigentlich hatten erkennen lassen, dass, weil es mit dem Recht haben so eine Sache ist, die Ausübung von Gewalt besser staatlichen, in einer Demokratie also demokratischen Institutionen überlassen wird. […]
Geolitico vom 22.02.2015

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