Oligarchen zahlen kaum Steuern: Wie die Superreichen Griechenland plündern

Nicht faule Griechen, sondern superreiche Clans haben Griechenland mit Korruption in die Pleite getrieben. Trotzdem büßt die Mittelschicht für die Krise: Reeder, Tycoons und Medienmogule schaffen ihre Milliarden bis heute ungestört beiseite.

[…] Nicht nur Latsis, eine ganze Kaste superreicher Griechen hat trotz Krise abkassiert. Während die Durchschnittsgriechen unter der Sparpolitik ächzen, bekommen Milliardäre wie Latsis Milliardenhilfen. Ihr Geld schaffen sie ins Ausland. Die Zeche für die Krise zahlen die kleinen Leute – mit Rentenkürzungen, Lohnsenkungen und Steuererhöhungen. Griechenlands Wirtschaft ist um fast ein Viertel geschrumpft. Doch das Vermögen der rund 500 griechischen Multimillionäre ist laut der Beratungsfirma Wealth-X allein 2013 um ein Fünftel auf 60 Milliarden Dollar gewachsen.

Dabei waren sie es, die Griechenland maßgeblich in die Pleite getrieben haben. Die reiche Elite hat das Land mit jahrzehntelanger Vetternwirtschaft ausgeplündert. „Griechenlands wichtigstes Problem ist nicht wirtschaftliches Wachstum, sondern politische Ungleichheit. Die Troika hat die Taschen genau der Kräfte gefüllt, die den Wirtschaftskollaps überhaupt erst verursacht haben“, schrieb Oxford-Professor Pavlos Eleftheriadis kürzlich in „Foreign Affairs“.

[…] Doch nicht nur die Superreichen, auch viele Besserverdienende höhlen den Staat aus. Ärzte, Anwälte und Ingenieure sind Meister der Steuerhinterziehung: Laut einer Studie der Universität Chicago geben 70 Prozent der Selbstständigen bei der Steuererklärung weniger an, als sie wirklich verdienen. 28 Milliarden Euro gingen dem griechischen Staat 2009 dadurch verloren, schätzten die Autoren – mehr als ein Viertel aller Steuereinnahmen. Jeder Versuch, diese Privilegien anzutasten, ist bisher gescheitert. Denn das Bündnis zwischen reichen Eliten und korrupten Politikern hat bislang auch in der Schuldenkrise gehalten.

[…] Eigentlich hätte das Finanzministerium die Jagd auf Steuerhinterzieher längst eröffnen können. Schon 2010 übergab die damalige französische Finanzministerin Christine Lagarde ihrem griechischen Amtskollegen Georgios Papakonstantinou einen USB-Stick mit über 2000 geheimen griechischen Bankkonten in der Schweiz.[…] In Frankreich und Deutschland begannen Finanzermittler damit, die mutmaßlichen Steuerflüchtlinge auf der Liste abzuarbeiten. In Griechenland passierte nichts. Dabei stehen mehrere Ex-Minister auf der Lagarde-Liste, genauso wie Medienoligarch Georgios Bobolas, sein Sohn Leonidas und diverse Reeder. Finanzminister Papakonstantinou sagte, er habe die Liste verloren. […]
n-tv.de vom 09.03.2015.

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