Deutsche Speicher: Das Rätsel um die verschwundenen Gas-Reserven

Ein russisches Erdgas-Embargo brauchen wir nicht zu fürchten, hieß es vor dem Winter. Obwohl seither kaum geheizt wurde, sind die deutschen Speicher fast leer. Wo ist der Brennstoff hingekommen?

[…] Ein Versorgungsengpass ist damit zwar noch lange nicht zu befürchten. Doch ein durchschnittlicher Füllstand von derzeit rund 30 Prozent im Frühjahr gehört in Deutschland zu den niedrigsten der vergangenen Jahre. Nur im Extremwinter 2012/2013 war zu dieser Jahreszeit noch weniger Gas in den deutschen Speichern übrig.

Wie kann das sein? Noch im September vergangenen Jahres hatte die Politik auf dem einstweiligen Höhepunkt des russisch-ukrainischen Konfliktes erklärt, Deutschlands Gasversorgung sei sicher. Insbesondere die Speicher seien so gut gefüllt, dass sich damit auch ein wochenlanges Lieferembargo Russlands ohne Probleme überstehen ließe.

Nun ist das russische Embargo ausgeblieben, es wurde einer der wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, und trotzdem ist nur noch relativ wenig Gas da. Das Rätsel der verschwundenen Gasmengen weist auf ein fundamentales Problem der europäischen Energiepolitik hin: Seit die ehemals integrierten Gaskonzerne auf Druck der europäischen Wettbewerbspolitik in Pipelinebetreiber, Speicherbesitzer, Förder- und Vertriebsgesellschaften aufgespalten wurden, fühlt sich niemand mehr so recht für Versorgungssicherheit verantwortlich.

[…]

Auch Probleme mit der Gasförderung in den Niederlanden könnten dazu geführt haben, dass der niedrige Bedarf im ablaufenden Winter vor allem aus deutschen Speichern gedeckt wurde. Denn die niederländische Regierung hatte die Förderung im größten westeuropäischen Erdgasfeld Groningen 2014 auf Jahre hinaus um ein Viertel gedrosselt, als bekannt wurde, dass die Gasförderung dort Erdbeben ausgelöst und damit Häuser beschädigt haben könnte. Die Speicherstände in den Niederlanden liegen derzeit bei zehn Prozent und sind damit die niedrigsten in ganz Europa.

Die vergleichsweise geringen Mengen, die noch aus Russland bezogen wurden, fanden zum Teil gar nicht mehr den Weg zum deutschen Endverbraucher: Ein Teil der Mengen wurde zum Beispiel vom Energiekonzern RWE direkt in die Ukraine umgeleitet, die sich aus politischen Gründen innerhalb kürzester Zeit von ihrem bisherigen Hauptlieferanten Russland unabhängig machen wollte. […]
N24.de vom 01.04.2015

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