Flüchtlinge: Viele brechen ihre Ausbildung ab

Fachkräfte werden in Deutschland dringend gesucht. Flüchtlinge könnten eine Lösung sein, sagen Experten. Erste Erfahrungen im Handwerk mit Azubis sind jedoch äußerst ernüchternd.

[…] Vor allem die Sprachkenntnisse seien immer eine große Hürde während der Ausbildung. „Nicht jeder, der in unser Land gekommen ist, ist auch sofort vermittelbar“, sagte er. Aber auch der vergleichsweise geringe Lohn während der Lehre spiele eine Rolle. „Wir müssen erhebliche Überzeugungsarbeit leisten, damit die jungen Leute überhaupt eine Ausbildung anfangen“, sagte Semper. „Viele haben die Vorstellung, in Deutschland schnell viel Geld zu verdienen und es dann nach Hause zu schicken.“ Man müsse ihnen erst klar machen, dass es langfristig die bessere Entscheidung sei, sich für eine Lehre zu entscheiden und erst weniger zu verdienen.#

[…] Der Chef des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn sprach sich bei der Handwerkskammer erneut für die komplette Abschaffung des Mindestlohns aus. Die Qualifikation der Flüchtlinge sei überwiegend schlecht. „Da kommen nicht die Chefärzte aus Aleppo“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler. 70 Prozent der Afghanen und 15 Prozent der Syrer seien Analphabeten, 22 Prozent der Flüchtlinge hätten keinen Schulabschluss. „Die können gar keine Ausbildung anfangen, sondern drängen in die untersten Beschäftigungsverhältnisse, wo der Mindestlohn gilt“, sagte Sinn. Das werde zwangsläufig zu steigender Arbeitslosigkeit führen.

[…] Es sei „Wunschdenken“, dass man die Migranten so schnell qualifizieren könne, dass sie mehr als den Mindestlohn verdienen könnten. „Es muss vermieden werden, dass wir eine neue Reservearmee der Arbeitslosigkeit bekommen.“

[…] Ifo-Chef Sinn kritisierte erneut die fehlenden Kontrollen an den Grenzen. „Es gibt derzeit einen Migrationssturm“, sagte er. „Die Dinge sind außer Kontrolle geraten.“ Jeder Staat müsse seine Grenzen schützen. Entscheide man, wie in der Europäischen Union, die Grenzen der einzelnen Staaten nicht länger zu kontrollieren, müsse man wie im Schengen-Abkommen festgelegt zumindest die EU-Außengrenzen schützen. „Schengen ist praktisch kaputt“, sagte Sinn. „Auch, weil sich Deutschland nicht an Schengen gehalten hat.“
 DIE WELT

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