Kommentar: Das verlorene Vertrauen

Selten gingen die Deutschen mit so trüber Stimmung ins neue Jahr. Die Bürger sind skeptischer als die Politik, und der Staatsfunk vermittelt gerade in der Flüchtlingskrise eine ganz andere Stimmung.

[…] Offenbar vermitteln Politik und der Staatsfunk in der Flüchtlingskrise eine ganz andere Stimmung, als in der Bevölkerung vorherrscht. Die Leute sind viel skeptischer als die politische Führung. Deshalb baut das „Wir schaffen das“-Mantra von Angela Merkel kein Vertrauen auf – im Gegenteil. Wenn vier von zehn Befragten der Meinung sind, dass man in diesem Land nicht mehr sagen darf, was man denkt, wie Allensbach in einer anderen Umfrage herausfand, dann stimmt in Deutschland etwas nicht. Dabei gibt es für eine Radikalisierung der Bevölkerung keine Anzeichen, auch wenn ein paar Politiker meinen, das Gegenteil unterstellen zu müssen.

Sorgen nicht ernst genommen werden. Ein Beispiel: Viele Migranten bringen nicht nur ein anderes Rechtsverständnis mit, sondern auch ein anderes Bild von der Frau. Wenn es die Politik ernst meint mit der Beteuerung, dass unsere Werte und Gesetze anerkannt werden müssen, dann darf nicht toleriert werden, wenn Männer sich aus Glaubensgründen weigern, einer Frau die Hand zu geben oder Essen von ihr in Empfang zu nehmen. Mann darf sich auch nicht weigern, von Ärztinnen behandelt zu werden. So ein Verhalten ist frauenfeindlich, es diskriminiert die Hälfte der Menschheit. Wo sind die Feministinnen geblieben, die dagegen kämpfen?
 FAZ

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