In zwölf Tagen sechs Mal in Gewahrsam

Während immer mehr Beamte aus einer großen Frustration heraus bereit sind zu reden, breitet die Aachener Polizei offiziell einen Mantel des Schweigens über das brisante Thema.

Die Rede ist im Speziellen vom Fall eines 18-jährigen Algeriers, der am vergangenen Wochenende in Aachen drei Mal wegen mutmaßlicher Straftaten auffiel und festgenommen wurde, aber jedes Mal auf freien Fuß gesetzt werden musste, weil die Staatsanwaltschaft keine ausreichenden Haftgründe sah.

Und die Rede ist im Allgemeinen vom „Antanztrick“ – einer Diebstahls- bzw. Raubmasche, derer sich auch besagter 18-Jähriger bedient haben soll und die sich nach AZ-Informationen in Aachen zu einem massiven Problem ausgewachsen hat.

[…] Derweil beschäftigt dieses Thema und insbesondere der Fall des 18-Jährigen nicht nur viele Polizeibeamte, die oft nur noch hilflos und frustriert den Kopf schütteln, wenn solche Tatverdächtige mit triumphierender Geste an ihnen vorbei in die Freiheit spazieren. Er bewegt auch viele Bürger, die sich um die Sicherheit in Aachen sorgen – was etliche Zuschriften an die Redaktion belegen.

Zumal die Geschichte des 18-jährigen Algeriers offensichtlich eine größere Dimension hat als bisher bekannt: Denn nach AZ-Informationen ist der junge Mann alleine in den ersten zwölf Tagen dieses Jahres sechs Mal von der Polizei wegen Straftaten in Gewahrsam genommen worden – und wurde jedes Mal wieder auf freien Fuß gesetzt.

Und aus Polizeikreisen ist auch zu erfahren, dass er seit 2014 bereits wegen rund 40 Delikten aktenkundig geworden ist – wegen Ladendiebstahls, Taschendiebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, Körperverletzung, Widerstands gegen Polizeibeamte und Rauschgiftdelikten.

[…] „Er ist völlig aggressiv, spuckt, tritt und kratzt“, sagt ein Polizeibeamter über den Mann. „Manchmal hat man den Eindruck, den Haftgrund der Wiederholungsgefahr gibt es gar nicht mehr“, wundert sich ein anderer frustrierter Beamter.

Bei der Aachener Staatsanwaltschaft führt man gegen den Mann, der nach AZ-Informationen trotz der Fülle der ihm zur Last gelegten Delikte nicht einmal auf der Intensivtäterliste auftaucht, aktuell drei Strafverfahren, wie deren Sprecher Dr. Jost Schützeberg bestätigt. […]
 Aachener Zeitung

 

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Ein Gedanke zu „In zwölf Tagen sechs Mal in Gewahrsam

  1. webmasterviersen Autor

    An dieser Stelle muß man sich schon fragen, ob wir überhaupt noch in einem Rechtsstaat leben. Wenn hier Strafätern rein gar nichts passiert – was sollte sie davon abhalten, munter weiterzumachen? Ist das eine Art antiautoriäre Erziehungsmethode? Die hat schon bei Kindern nicht funktioniert. Und Erwachsene lassen sich vermutlich sehr viel schwerer überhaupt noch erziehen.

    Antwort

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