Waschbär-Unfall wichtiger als Tritt gegen Schwangere?

Die hessische Polizei verzichtet auf Berichte über Flüchtlingskriminalität „mangels Interesse der Öffentlichkeit“. Dafür wird über nachrangige Vorfälle informiert. Der Innenminister gerät unter Druck.

Peter Beuth sagte das, was ein Innenminister dieser Tage eben so sagt, wenn es um Angst vor Terroristen, Taschendieben und Grabschern geht. „Sicherheit ist ein Grundbedürfnis“ […]

[…] Just an dem Tag, an dem der Minister im Landtag die Kriminalitätsstatistik mit viel Pathos vorstellte, legte die „Bild“-Zeitung nach. Sie zitierte umfassend aus einem internen Bericht des Landeskriminalamtes (LKA) „VS – Nur für den Dienstgebrauch“. Er gibt auf mehreren Seiten „herausragende Ereignisse“ des Wochenendes 23. und 24. Januar wieder, darunter sechs Delikte, in die mutmaßlich oder tatsächlich Asylbewerber verwickelt waren, etwa Schlägereien und eine Attacke auf eine hochschwangere Frau. Keiner dieser Fälle war öffentlich kommuniziert worden.

[…] Tatsächlich hatte Beuth selbst am 21. Januar im Innenausschuss des Parlaments erklärt, die Polizei angehalten zu haben, beim öffentlichen Umgang mit dem Thema Flüchtlinge besonders sensibel zu sein. Die Pressestellen müssten genau abwägen, ob der Persönlichkeitsschutz oder das öffentliche Interesse an Information Vorrang hätten.

[…] Die hessische FDP hält dieses Abwägen für grundlegend falsch. Dadurch entstehe bei den Bürgern der Eindruck, Delikte würden nach Maßgabe „von oben“ verschwiegen, sagt Greilich, dem vorgeworfen wird, die AfD zu kopieren. Seiner Meinung nach aber treibt „die Schere im Kopf“ bei Politik und Polizei die Menschen zur Petry-Partei. Der FDP-Parlamentarier verweist auf eine jüngere Erhebung von Infratest Dimap für den Hessischen Rundfunk, in der 58 Prozent der Befragten erklärten, sie fühlten sich von der Ordnungsmacht nicht ausreichend informiert.

[…] Das Präsidium Südosthessen bestätigte den in dem internen LKA-Bericht genannten Fall vom 23. Januar in der Notunterkunft in Langen, der sich laut „Bild“ so abspielte: „Drei Flüchtlinge griffen die Sicherheitsmänner an, weil die eine Prügelei zwischen einem Afghanen und seiner Tochter schlichten wollten. 24 Polizisten retteten die Security-Leute. Trotzdem brüllten die Schläger: ,When I see you I kill you‘ (Wenn ich dich sehe, bringe ich dich um).“

Auf Anfrage erklärte ein Sprecher des Präsidiums, es seien Strafanzeigen unter anderem wegen Körperverletzung aufgenommen worden. „Hintergrund soll ein Streit innerhalb einer Familie gewesen sein. Die Ermittlungen dauern noch an.“ Damit falle der Vorfall unter häusliche Gewalt. Die Frankfurter Kollegen erklärten zur Anfrage, warum sie den Tritt gegen den Bauch der Schwangeren nicht publik machten: „Die Frankfurter Polizei sieht in einem Fall ‚häuslicher Gewalt‘ ohne Außenwirkung keinen für die Öffentlichkeit bestimmten Nachrichtenwert, daher gab es dazu keine Pressemeldung.“ […]

[…] Dennoch kommt es zu einer teils kurios anmutenden Auswahl an Polizeinachrichten. […] Am 1. Februar: „Hydraulikbohrhammer im Wert von 35.000 Euro von Baustelle gestohlen“. Und am 11. Februar war die Rede von einem „Unfall mit einem Waschbären, der am Unfallort verendete. Sachschaden am Pkw: 600 EUR“. Ist das für die Öffentlichkeit von Interesse?

(Absatzreihenfolge leicht geändert)

twelt.de

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