Streit um Katholikentag – Die Kirche ordnet sich der Parteipolitik unter

Heute beginnt der 100. Katholikentag in Leipzig. Doch unliebsame Themen wie die prekäre Lage christlicher Flüchtlinge in deutschen Unterkünften werden dort ausgeblendet. Auch mit der AfD will man nicht sprechen

[…] Der CDU-Politiker und Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Thomas Sternberg, hat in einem Interview die Flüchtlingskrise als zentrales Thema des gerade in Leipzig stattfindenden Katholikentages benannt. Dabei erweckte er den Eindruck, dass in seinen Augen scheinbar nur Muslime als Flüchtlinge zu gelten haben. Die teils katastrophale Situation von nichtmuslimischen Minderheiten in den Flüchtlingsheimen, von Christen und Jesiden, die laut einer Studie des christlichen Hilfswerks „Open Doors“ wegen ihres Glaubens geschlagen, beleidigt oder bedroht werden, sind für den Präsidenten hingegen kein Thema. Denn, so Sternberg: „Man muss sich davor hüten, es als typisch islamisch darzustellen, wenn Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Flüchtlingsheimen bedrängt werden.“

[…] Wenn Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Flüchtlingsheimen bedrängt werden, stellt sich die Frage, inwiefern das etwas mit der Religion zu tun hat. Christen, die in Afrika und im Nahen Osten bedroht und vertrieben wurden und denen die Flucht zu uns gelang, geraten in einen Teufelskreis, wenn sie hier wieder von Muslimen drangsaliert werden. Würde man dieses Problem nicht vertuschen und ignorieren, ergäben sich zwei schwerwiegende Konsequenzen daraus: Erstens müsste die alternativlose Flüchtlingsdoktrin auf den Prüfstand gestellt und zweitens müsste gehandelt werden.

[…] Dieses Problem wird verdrängt. Lieber lassen Christen Christen leiden, nehmen es billigend in Kauf, dass sie gedemütigt, geschlagen, vergewaltig werden, als sich der Realität zu stellen. Denn „wenn wir nach Religion getrennt unterbrächten, leisteten wir dem Eindruck Vorschub, wir seien nicht fähig zur friedlichen Koexistenz“.

[…] Ein Phänomen, das bisher nur beim Linksprotestantismus des Rates der EKD zu beobachten war, hat nun auch dank des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, den Katholizismus erreicht: Die parteipolitische Instrumentalisierung des Glaubens durch Kirchenfunktionäre, die die Ideologie über die Religion stellen.

[…] Ist die Haltung zu den verfolgten Christen in den Heimen zwar die empörendste Verweigerung der Kommunikation, so ist sie nicht die einzige. Thomas Sternberg sieht nichts Unchristliches darin, Vertreter der AfD nicht zu den Katholikentags-Podien einzuladen, auf denen Vertreter aller Parteien und des Zentralrates der Muslime für ihre Ansichten werben dürfen.

[…] Unter den Katholiken, wie unter allen Bürgern der Republik, befinden sich jedoch nun mal Anhänger aller politischen Parteien, auch Mitglieder und Unterstützer der AfD. Dass das möglich ist, nennt man Demokratie. Der Ausschluss von AfD-Vertretern, denen man im Gegensatz zu allen anderen kein Forum geben will, erzeugt den verheerenden Eindruck, dass der Parteimann Sternberg die politische Konkurrenz ausschließt. Und zwar ausgerechnet diejenige, die für die CDU das größte Problem darstellt – mit Blick auf die Wahl in NRW.

[…] Ein drittes Beispiel: Das europapolitische Podium wird ausnahmslos bestritten von Befürwortern der Brüsseler Linie und Vertretern der EU. EU-Kritiker, -Skeptiker oder auch nur Menschen, die eine andere europapolitische Vorstellung hegen, bleiben außen vor. Wie kontrovers die Diskussion verlaufen wird, kann man sich vorstellen. Auch hier scheint das Motto „Diskussion ohne Diskussion“ zu sein. […]
 Cicero

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