Ich möchte keine Frau in Darmstadt sein

[…] (W)ieder haben vermutlich mehrere Migranten Frauen unsittlich berührt, ihnen eindeutige sexuelle Avancen gemacht, ihnen nachgestellt, sie belästigt. Zum Zeitpunkt dieses Artikels sind es bereits 26 Anzeigen, und wir wissen aus den Erfahrungen von Köln, dass sich die Zahl noch deutlich erhöhen wird. Vielleicht sollte ich allerdings nicht von Erfahrungen sprechen, die aus dem Debakel in der Silvesternacht gezogen wurden.

Denn wenn ein Fakt schockierte, war es das Unvermögen der deutschen Politik und Medien, adäquat zu reagieren und Stellung zu beziehen. Ganz im Gegenteil: Frauen durften sich hinterher noch anhören, dass es beim Oktoberfest wohl noch viel schlimmer zuginge. Viel wirkungsvoller sei es doch, einfach eine Armlänge Abstand zu halten, anstatt sich von der großen Mehrheit der schweigenden Politiker Hilfe zu erwarten. Ziehen wir jetzt unsere heimischen Publikationen zu Rate oder fragen Volksvertreter, lesen und hören wir wieder entweder nichts. Oder im besten Falle das erneute Wiederkäuen eines Imperativs, der bei passender Gelegenheit an verdrehte moralische Gesetzmäßigkeiten erinnert. So sei es doch nun erst einmal viel wichtiger, Einwanderer keinesfalls unter Generalverdacht zu stellen. Die Fakten abzuwarten, sich zu mäßigen. Gegen Hass, Rassismus und Hetze aufzurufen. Wir gewinnen den Eindruck, das Menetekel sei nicht etwa die sexuell aufgeladene Treibjagd in Darmstadt und anderswo, sondern das Erheben jener Stimmen, die diese Vorgänge zur Sprache bringen wollen. Inzwischen gehen mir die Adjektive aus, um zu beschreiben, wie groß und schier übermächtig das Schweigen ist, das zu solchen Verbrechen herrscht. Einigen wir uns vielleicht auf erschreckend.

[…] Ich frage mich, ob es für eine Frau Schlimmeres geben kann, als ihr als Opfer der Übergriffe kein Gehör schenken zu wollen. Nach der seelischen und körperlichen Verletzung der Tat müssen die Alleingelassenen nun auch noch am überheblichen Wegducken knabbern, das den Führungsebenen dieses Landes so in Fleisch und Blut übergegangen ist. Sie hören kein Wort des Bedauerns, müssen sich aber den Vorwurf gefallen lassen, vielleicht AfD-Sympathisantinnen zu sein, die eine erfundene Tat für die Bestätigung ihres Rassismus‘ nutzen wollen.
 Tichys Einblick

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