Kirche und Flüchtlinge – Die Drohbotschaft ist zurück

Der richtige Umgang mit der Flüchtlingskrise ist umstritten. Die Kirchen haben sich festgelegt: Wer für eine begrenzte Aufnahme plädiert, kann kein guter Christ sein. Nur eine unbedingte Willkommenskultur sei christlich. Auf diese Weise werden Kirchenfunktionäre zu Parteigängern und treiben ihren Bedeutungsverlust voran.

[…] Die Kirchen sind neben Pro Asyl die letzten Vertreter einer unkonditionierten, unbegrenzten Willkommenskultur. Unter den Christen, die da zweifeln und zögern, machen sie keine Gefangenen. Die Skeptiker werden ausgemeindet.

[…] Damit fallen die Kirchen ebenso dramatisch hinter den eigenen Anspruch zurück – keine Seele verloren zu geben – wie hinter den Stand einer breit ausdifferenzierten gesellschaftlichen Debatte.

[…] Wer Grenzen der Belastbarkeit sieht, wer an den (übrigens ebenfalls christlich zu begründenden) Vorrang des Gemeinwohls erinnert oder an die Differenz von Christentum und Islam, der rechnet, weil er sich „unserem Bekenntnis für eine Willkommenskultur und gegen Abschottung und Abgrenzung“ verweigert, zu den „Unheilspropheten unserer Zeit“, der steht nicht genügend auf „gegen die Angst, gegen die Rhetorik der Abgrenzung und Restauration“, ja, der ist ein Menschenfeind und verdienet nicht, ein Christ zu sein.

[…] Selbstverständlich ist der Platz der Kirchen an der Seite der Schwachen und Bedrängten, Bedrohten und Vertriebenen. Selbstverständlich sind die Armen den Christen in besonderer Weise anvertraut. Inwieweit daraus die absolute Pflicht folgt, das eigene Land für Migranten aus allen Ländern bedingungslos zu öffnen, Million um Million in der Regel nichtchristliche Menschen ohne Sorge um das Gemeinwohl aufzunehmen: Das eben ist hoch umstritten. Die Kirchen wollen sich der Diskussion nicht stellen. Sie erklären die Debatte für entschieden, indem sie zu verstehen geben: Gute Menschen mögen keine Grenzen. So nehmen sie den Exodus all jener Christen in Kauf, die auch Klugheit für eine christliche Tugend halten. Die Kirche will offenbar wieder werden, was sie angeblich nie war: eine Gemeinschaft der Reinen. Der Weg zum Himmel ist nun mit guten Vorsätzen gepflastert.
 Cicero

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