I am Gutmensch – Tichys Einblick

Es ist so leicht, moralisch und gut zu wirken, wenn man links ist. Weil es so scheint als gehöre man zu den Menschen, denen die anderen am meisten am Herz liegen. Zu denen, die die Welt zu einem besseren Ort machen wollen, während die anderen alle nur egoistisch und kaltherzig an sich denken.

[…] In der linken Gutmenschenwelt spricht man den Leuten gerne ab, dass sie sich mit den Dingen befasst haben, wenn sie nicht zu den gleichen Schlüssen kommen wie man selbst. Denn wenn ich Ahnung von der ganzen Ausbeutung, der neoliberalen Scheißpolitik, dem Syrienkonflikt und den Waffenlieferungen hätte, dann würde ich ja kaum so reden. Dann müsste ich ja eigentlich auch links sein. Denn nur wenn man links ist, hat man Ahnung von all dem.

[…] Der Vorteil an Links ist, dass man Idealist bleiben kann. Dass man sich nicht an der Realität die Hände schmutzig machen muss. Zum Links-Sein bedarf es anders als früher keinen Mut mehr. Längst ist der romantisierte Klassenkampf im gesellschaftlichen Mainstream angekommen. Kapitalismuskritik ist hipp und nichts, weshalb man irgendetwas befürchten müsste. Der Linke selbst wird romantisiert wie seine Vorbilder der 68er und deshalb muss er sich auch nicht rechtfertigen und die Tauglichkeit seiner Ideen an der Realität beweisen. Er steht auf der Seite der Guten. Er kämpft um Gerechtigkeit, während die anderen zwangsläufig für Ungerechtigkeit sein müssen. Er will die Menschen in Afrika nähren, die Flüchtlinge der Welt aufnehmen und die Kriege im Mittleren Osten beenden, während der sadistische Rest im eigenen Saft brät.

[…] Die Wahrheit ist jedoch, dass Links eigentlich gar nicht so altruistisch ist. Dass Links eigentlich so ziemlich das genaue Gegenteil davon ist.

[…] Es war der fundamentale Fehler unserer Regierung, diese Probleme, die in rasender Geschwindigkeit auf uns zukamen, so lange ignoriert zu haben. Alles wäre besser gewesen als die jetzige Situation. Viel einfacher und deutlich effektiver hätte man Flüchtlingshilfe vor Ort und in den Nachbarländern organisieren können. Ohne Menschen zu entwurzeln und uns in Unsicherheit und kulturelle Konflikte zu führen. Aber auch jetzt kann die Antwort nicht heißen, dass wir alles bedingungslos schlucken uns ausbaden müssen. Auch jetzt müssen immer noch Lösungen her, die besser sind als jetzigen. Die Welt ist zu komplex für eure einfachen Antworten.

Nur leider ist gerade das hier in Europa und vor allem in Deutschland nicht möglich. Denn der Diskurs ist immer noch tabuisiert bzw. überlässt man ihn jenen, die sich mich stolz geschwellter Brust „Gutmensch“ nennen, obwohl sie genau das eben nicht sind, weil ihnen in aktionistischen Scheuklappen letztlich egal ist, welche Konsequenzen ihre Einstellung mit sich bringt. Jenen, die Menschen wie mich und all die anderen Kritiker zu unempathischen Schlechtmenschen degradieren und als Rassisten diffamieren, weil ihre Absichten vermeintlich gut, während wir innerlich hässlich sind.

Aber mir ist es egal, was ihr von mir haltet. Ob ich für euch ein Rassist ohne erkennbaren Rassismus bin oder ein herzloser Kapitalist, der doch genauso viel gegen Armut und Elend hat wie ihr. Denn im Gegensatz zu euch habe ich mich davon emanzipiert, gut wirken zu wollen und versuche stattdessen im Rahmen meiner Möglichkeiten so etwas wie gut zu sein. Und ganz vielleicht bin ich am Ende dadurch mehr Gutmensch als ihr es jemals gewesen seid.
 Tichys Einblick

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