Das grüne Fahnenverbot ist gut gemeint, nicht gemacht

Der Nachwuchs der Partei Bündnis 90/Die Grünen hat mal wieder einen wichtigen Punkt gemacht: Ja, man sollte keine Fahnen schwenken, ja, das ist gefährlich. […]

Gut, dass ihr mal wieder darauf aufmerksam gemacht habt. Wie schon 2012, wie schon immer eigentlich. Und wie gut, dass ihr schon in jungen Jahren dort angekommen seid, wo viele andere Menschen oft Jahrzehnte länger brauchen, um dort hinzukommen: das komplette Verharren in kleinen, engen Schubladen.

Ihr seid so undeutsch und weltoffen, dass ihr bis in kleinste Detail des braven Bundesbürgerlebens reinreden wollt, so freigeistig, dass ihr jeden und alle mit Vorurteilen belegt und dann bieder beobachtet, ob man eure kruden Kinderideen auch ernst nimmt.

Ihr seid die Unterhemden tragenden Falschparkeraufschreiber der Generation Chia-Samen – und das Skurrilste daran: Ihr merkt es nicht einmal, ihr haltet euch für revolutionär, für frei, für Blumenkinder.

Dabei seid ihr nicht mal das, was eure Großeltern zur Flowerpowerzeit waren; langhaarige Hippies mit Freiheitsdrang. Nein, ihr seid wie deren Eltern, die alles verbieten wollten, „weil man das einfach nicht macht!“.

Dass ihr eurer Sache ganz nebenbei noch einen Bärendienst erweist (Pardon, auf vegetarisch heißt das natürlich Beerendienst!), blickt ihr natürlich durch eure grünen Brillen und Brillinnen auch nicht.

Indem ihr jeden harmlosen Fahnenschwenker mit dem heißen Atem eures Eifers in die rechte Ecke pustet, verharmlost ihr die echten Rechten. Und die gibt es, habt ihr schon mitbekommen, oder?

Die sind nach eurer Logik genau das, was der brave Papa mit dem Deutschlandfähnchen an seinem Twingo ist. Nichts gegen Differenzieren, nichts gegen eine Argumentation, in der man klarstellt, dass man nicht stolz auf dieses Land sein will.

Ich allerdings bin stolz auf dieses Land, weil es auch leicht Verirrten wie euch alle Freiheit lässt, irgendeinen Quatsch zu fordern. Freiheit, seine Meinung zu äußern. Das, was ihr den vielen, vielen Fans der deutschen Nationalmannschaft verbieten wollt.

Die Bundessprecherin der Jungen Grünen, Jamila Schäfer, sagt: „Grundsätzlich grenzt man sich mit der Stärkung der eigenen Gruppe immer auch von anderen ab“. Genau – und durch die Schwächung der eigenen Gruppe tut man das ganz offensichtlich auch, Frau Schäfer.

Aber irgendwie seid ihr damit auch putzig und liebenswert. Denn ich nehme euch total ab, dass ihr es nur gut meint. Gut meint, nicht gut macht. Das muss man euch nachsehen, immerhin seid ihr grün – hinter den Ohren.
 WELT

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s