Politik und Medien leben in ihrer eigenen Welt

Den „Menschen draußen im Lande“ wird immer wieder gesagt, dass sie ihren „Wohlstand“ teilen müssen und dass es „in einer globalisierten Welt“ nicht mehr angeht, dass „ein Teil in Reichtum und Frieden lebt, während andere Regionen in Krieg und Not versinken“.

Wie sollen ein Busfahrer bei den lokalen Verkehrsbetrieben, eine Verkäuferin bei C&A oder eine Kita-Erzieherin diesen Satz verstehen? Dass sie zu viel verdienen? Dass die Globalisierung danach verlangt, weltweit gleiche Verhältnisse herzustellen, und das auf Kosten jener, die „in Reichtum und Frieden“ leben, während der Rest „in Krieg und Not“ versinkt?

Wird die globale Gerechtigkeit erst dann vollendet sein, wenn alle in Krieg und Not leben? Sind wir deswegen so wild entschlossen, die Konflikte dieser Welt nach Deutschland zu importieren?

Die „Menschen draußen im Lande“, also „das Volk“ oder die „Bürgerinnen und Bürger“, sind dialektisch nicht so geschult wie die Urheber solcher Ratschläge, dafür haben sie ein Bauchgefühl, das ihnen hilft, zwischen „richtig“ und „falsch“ zu unterscheiden. Oder wenigstens zwischen „glaubwürdig“ und „herbeifantasiert“.

Sie sind sehr wohl in der Lage, das, was ihnen gesagt wird, mit dem abzugleichen, was sie vor der eigenen Haustür erleben. Und wenn sie dann z.B. hören, die Zuwanderung sei „eine Bereicherung für unser Land“, wird ihnen bewusst, dass sie veralbert werden. Sie fragen sich nur noch, warum.

Sie mögen es nicht, zu Fremdenfeinden, Nationalisten und Rassisten erklärt zu werden, weil sie nicht den Kopf hinhalten wollen für eine völlig aus dem Ruder gelaufene Einwanderungs- und Verteilungspolitik.

Und sie schätzen es nicht, von Sigmar Gabriel als „Pack“ beschimpft zu werden, der in einem seiner wenigen lichten Momente ein „Sozialpaket für Einheimische“ fordert und diese Forderung damit begründet, „der Eindruck, wir würden unsere eigenen Bürger vergessen“, dürfe sich „nicht festsetzen“.

In solchen Momenten wird auch dem letzten arglosen „Bio-Deutschen“ klar, dass der Eindruck, dessen Verfestigung Gabriel verhindern möchte, kein Eindruck, sondern eine eingetretene Tatsache ist.

[…] Es hat sich auf die Dauer noch nie gelohnt, die „Menschen im Lande“ zu unterschätzen, nur weil es manchmal länger dauert, bis sie ihren Unmut artikulieren. Sie mögen die Energiewende nicht bis ins letzte Detail verstanden haben, aber sie wundern sich, dass der Strom an der Strombörse immer billiger, für die Verbraucher dagegen immer teurer wird.

[…] Die Menschen im Lande fragen sich, auf welchem Planeten Martin Schulz, der allgegenwärtige Präsident des Europaparlaments, lebt, der in einem Vortrag über das Thema „Heimat, Flucht und Identität in Zeiten der Globalisierung“ behauptet hat: Das „was die Flüchtlinge zu uns bringen“ sei „wertvoller als Gold“. Denn: „Es ist der unbeirrbare Glaube an den Traum von Europa. Ein Traum, der uns irgendwann verloren gegangen ist.“

[…] Und wenn der Justizminister ankündigt, er werde „sexistische Werbung“ verbieten lassen, dann brechen die „Menschen im Lande“ nicht in zustimmenden Jubel aus, sie fragen sich: Hat der Mann sonst nichts zu tun? Dass er den Spott und die Häme, die ihm zuteil werden, nicht einmal bemerkt, ist ein weiterer Beleg dafür, wie gemütlich er und die Seinen es sich inzwischen auf der erdabgewandten Seite des Mondes eingerichtet haben. […]

Welt

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s