Tabu-Kultur oder Worüber wir nicht reden …

Was bleibt, ist die Frage, was man nun tut, wenn die Folgen dieser falsch verstandenen Political Correctness sich bereits in all ihrer Verirrung offenbaren? Und wenn man weiß, dass es noch viel schlimmer werden wird. Was tut man gegen das weit verbreitete Schweigen, das Nicht-Reden, das Nicht-Sagen-Dürfen, wenn selbst das Aussprechen, das Drüber-Hinwegsetzen über die Tabus nichts nützt? Ja, das Schlimme ist, zu realisieren, dass selbst das Durchbrechen des Schweigens nichts ändert.

“Man muss über solche Fälle reden dürfen!“ liest man gestern: Bassam Tibi in einem Interview mit der WELT. […]

Die zweite Meldung, die man heute überall liest, ist, dass es zu einem enormen Anstieg von sexuellen Übergriffen in Freibädern gekommen sein soll. Auffällig sei dabei vor allem, dass die Täter in Gruppen vorgehen.[…]

Aber auch bei der WELT will man nicht über solche Fälle reden, außer man heißt Henryk M. Broder. Wichtiger, als dass man über Dinge redet, erscheint in Deutschland, wie man über Dinge redet. „Sie reden wie die AfD.“ ist daher das Erste, was der Interviewerin der WELT, Andrea Seibel, folgerichtig in den Sinn kommt. […] Er zeigt, wieso wir hier nicht über „solche Fälle“ reden.

Denn würden wir es einmal ernsthaft tun, so ganz ohne AfD- und Nazi- und Rassistenkeule, die über alles drüber walzt, dann müssten wir uns nämlich bei ganz vielen Geschehnissen, Beschreibungen, Tatsachen der letzten Monate fragen, „was wir jetzt damit machen“ oder anders gesagt: Wie wir damit umgehen. Ja, dann müssten wir uns fragen, wie wir mit den Problemen, die der Islam zu uns bringt, umgehen und wie viel Einwanderung aus patriarchalisch geprägten, islamischen Ländern wir überhaupt verkraften können. Wie tolerant wir angesichts der Intoleranz wirklich sein dürfen und wie wir mit Menschen auf den Straßen Deutschlands umgehen, die gegen Juden hetzen als sei es 1933 und die nicht dafür belangt werden, weil sie einen Migrationshintergrund haben. Wir müssten mit der Flut an Gutmenschen-Demos gegen Rechts aufhören; damit, Placebos für das gute Gefühl in uns reinzustopfen und anfangen, gegen jene Ideologie auf die Straße zu gehen, die den eigentlich präsenten Faschismus im 21. Jahrhundert repräsentiert.

[…] Was so über die Jahrzehnte hinweg entstanden ist, ist keine Debattenkultur, sondern eine Tabu-Kultur. Es gibt Themen über die sprechen wir nicht. Immer noch nicht. Egal wie ersichtlich es ist, dass deutsche Männer nicht plötzlich dazu übergegangen sind, sich in Gruppen zusammenzurotten, um Sexualstraftaten zu begehen. Es ist wie bei Andersens „Des Kaisers neue Kleider“. Jeder weiß, dass der Kaiser nackt ist, aber keiner spricht es aus. Zum einen, weil man dann über die Konsequenzen sprechen müsste und zum anderen, weil man nicht der böse Überbringer der Nachricht sein will, der in Deutschland stets als Erstes politisch gelyncht wird. Wie oft denken wir zunächst darüber nach, ob eine Aussage von uns als rechts angesehen werden könnte, selbst wenn es darum geht, dass Menschen andere Menschen sexuell belästigen, Diebstähle begehen oder schlicht hier auf Kosten anderer leben wollen. Es passiert so vieles, was zurecht wütend macht und angeprangert gehört und dennoch gilt die erste Sorge stets dem eigenen Ansehen und der Angst, ins gesellschaftliche Meinungsabseits gerückt zu werden oder gar doch noch irgendwem vielleicht Unrecht getan zu haben. Zur Aufrechterhaltung der Illusion ist vielen jedes Mittel recht.

[…] Was tut man gegen das weit verbreitete Schweigen, das Nicht-Reden, das Nicht-Sagen-Dürfen, wenn selbst das Aussprechen, das Drüber-Hinwegsetzen über die Tabus nichts nützt? Ja, das Schlimme ist, zu realisieren, dass selbst das Durchbrechen des Schweigens nichts ändert. Dass keine Tat in Deutschland und noch so viele Wahrheiten schlimm genug scheinen, als dass man in Politik, etablierten Medien und einem Großteil der Gesellschaft beginnt, umzudenken. Nicht mehr zuerst im Gedanken gefangen zu sein, dass man irgendwie als rechts gelten könnte, dass irgendwas nicht politisch korrekt genug wäre, um es zu sagen.

Schlussendlich wird uns genau das alles kosten. Wohlstand und Kultur gleichermaßen. Tibi sagt: „Ich finde die Lage unerträglich. Da kommen Menschen mit keiner Ausbildung und wenig Geld. Und sie erleben eine prosperierende Gesellschaft. All das ist hart erarbeitet. Das kann man nicht einfach verschenken.”

Letztlich tun wir genau das. Hauptsache, wir spielen dabei nicht den Rechten in die Hände. Leute, das allgemeine Erwachen wird furchtbar. Denn das kennt dann auch keine Grenzen.
 Tichys Einblick

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