Ernüchterung statt Wirtschaftswunder: Was bleibt von der «Willkommenskultur»?

Deutschland beherbergt über eine Million Flüchtlinge. Sie kamen nicht, um den deutschen Fachkräftemangel zu lösen.

[…] Im September 2015 sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche, dass die Flüchtlinge eine Grundlage für das nächste Wirtschaftswunder sein könnten. Wer sein komplettes Leben zurücklasse, sei hoch motiviert. Und solche Leute suche Mercedes. Als die «FAZ» aber Anfang Juli bei Daimler nachfragte, hatte die Firma gerade einmal neun Flüchtlinge eingestellt. Deutschland ist im Alltag angekommen, wie die wirtschaftliche Bilanz nach einem Jahr deutlich macht.

In Deutschland wurden 2015 rund 1,1 Millionen Flüchtlinge erfasst. […] Seit April kommen monatlich noch etwa 16 000 Flüchtlinge. Im laufenden Jahr dürften es 300 000 bis 400 000 sein. […] Dazu kommen 250 000 Flüchtlinge, die noch nicht einmal als Asylbewerber registriert sind.

[…] Erst im Herbst 2016 wird eine repräsentative Erhebung zur Qualifikation vorliegen. Doch der syrische Arzt wird eine Ausnahme bleiben, so viel steht fest. Hinweise liefern Daten von Jobcentern und Arbeitsagenturen. Von den im August 346 000 registrierten Flüchtlingen, die eine Arbeit suchen, hatten rund 70% keine formale Berufsausbildung (allerdings haben die wenigsten Länder ein Lehrlingswesen wie Deutschland oder die Schweiz). Einen akademischen Abschluss hatte knapp jeder zehnte. Zwar gab jeder vierte an, dass er eine Matur habe, doch gut ein Viertel hat gleichzeitig nicht einmal die Hauptschule abgeschlossen.

[…] Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommen 58% der Arbeitssuchenden für Hilfsjobs in Frage, 14% für fachliche Tätigkeiten und 4% seien als Experten geeignet. Zu einem Viertel gibt es keine Angaben.

[…] Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt, dass im kommenden Jahr 3,5 Milliarden Euro für die Integration der Flüchtlinge in das deutsche Bildungssystem anfallen werden. So werden zusätzlich 98 500 Kita-Plätze benötigt sowie Lehrer für 200 000 Schüler. Ifo-Chef Clemens Fuest geht davon aus, dass Flüchtlinge im Schnitt mehr öffentlichen Leistungen beziehen als sie Steuern und Abgaben zahlen werden. […]
nzz

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