Die Rückkehr der Inflation überfordert Europa

Deutlich steigende Preise in Deutschland und Europa kommen für die Europäische Zentralbank zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Denn einen Zinsanstieg können sich einige EU-Staaten gar nicht leisten.

[…] Ausgerechnet die Inflationsrate, in den vergangenen Jahren vom Angstgegner zum schwächlichen Sorgenkind der Geldpolitiker verkommen, hat zur Jahreswende in Deutschland unerwartet einen Sprung gemacht: von 0,8 Prozent auf 1,7 Prozent, das ist der höchste Wert seit 2013. Schlimmer als die reine Zahl war der jähe Satz, den die Statistiker damit errechneten: Die Teuerung verbuchte den größten Zuwachs seit 23 Jahren – und das ausgerechnet im Wahljahr.

[…] Schon die vergangenen Jahre waren harte Zeiten für deutsche Sparer gewesen. Seit die EZB ihre Geldpolitik extrem gelockert hat, warfen die bevorzugten Anlageformen der Deutschen – das Tagesgeldkonto und die Lebensversicherung – kaum noch Erträge ab. 70 Prozent des deutschen Geldvermögens stecken in solchen Produkten. Bisher konnten sich die Menschen zumindest damit trösten, dass sich ihr Geld zwar nicht wirklich vermehrte, immerhin aber auch nicht dem Geldfraß durch Inflation zum Opfer fiel. Sollte sich das ändern, dürfte der Druck von deutscher Seite gewaltig wachsen.

[…] Die Situation in Europa ist in dieser Hinsicht besonders diffizil, denn die Unterschiede in puncto Wachstum und Beschäftigung – und damit auch das Steigerungspotenzial beim Preiniveau – sind eklatant.

Demnach müsste der Zinssatz für Deutschland derzeit bei 6,2 Prozent liegen, der für die gesamte Euro-Zone hingegen bei 1,3 Prozent. Für Frankreich wäre ein Niveau von 1,1 Prozent angemessen. Italien indes benötigte nach dieser Regel sogar noch niedrigere Zinsen als die derzeitige Rate von null Prozent, nämlich minus 1,8 Prozent und Spanien sogar minus 3,7 Prozent.

[…] Die EZB ist an dieser Lage keineswegs unschuldig – immerhin hat sie mit ihren milliardenschweren Staatsanleihenkäufen dafür gesorgt, dass sich die Länder zum Sorglos-Tarif immer weiter verschulden konnten. Entsprechend gewaltig ist die Summe der Staatsschulden in den Büchern der Währungshüter.

[…] Insgesamt hat die EZB bereits rund ein Drittel aller Staatskredite der Euro-Zone in ihrer Bilanz – und ist damit zum größten Gläubiger der Euro-Zone geworden. Das weckt gerade aus deutscher Sicht ungute Erinnerungen an die Zeit der Weimarer Republik. Damals mündete die ungenierte Finanzierung des Staatsetats durch die staatlich gelenkte Zentralbank in eine Inflations-Katastrophe. […]
 WELT

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