Facebook-„Wahrheitsprüfer“ Correctiv verstrickt sich in Widersprüche

Die Faktenchecker von Correctiv können bislang nicht sagen, nach welchen Kriterien sie „Fake News“ auf Facebook kennzeichnen wollen.

Am vergangenen Freitag äußerte sich David Schraven auf der Webseite von Correctiv zu den „häufigsten Fragen“, die ihn zum Thema erreicht hätten. Zur Frage „Zensiert ihr Inhalte?“ heißt es dort:

„Zensur geht in der Regel von staatlichen Stellen aus. Wir sind uns der angesprochenen Problematik aber sehr bewusst. Wir sehen es als Gefahr, dass man Berichte, deren politische oder gesellschaftliche Haltung einem nicht passt, kritischer bewertet als andere. Aber erstens wählen wir die Artikel, die wir überprüfen, nicht beliebig aus (dies geschieht in der Testphase ausschließlich aufgrund von Meldungen von Facebook-Nutzern, außerdem müssen die beanstandeten Posts eine gewisse Verbreitung erreicht haben). Zweitens, und das ist entscheidend, prüfen wir keine unliebsamen Meinungen, sondern Fakten oder Tatsachenbehauptungen.“

[…] Die beiden Begriffe haben eine gemeinsame Schnittmenge und lassen sich nicht immer sauber trennen.

  • „Trump gefährdet die Demokratie.“
  • „Angela Merkel ist eine Marionette der USA.“
  • „Putin bedroht die Sicherheit Europas.“

Sind solche Aussagen nun Meinungen oder Tatsachenbehauptungen? Welche präzisen Kriterien will Correctiv zur Trennung der Begriffe anlegen? Wann ist eine Aussage ein Fall für den Faktencheck und wann nicht? Wenn man keine Meinungen zensieren will, muss das vorab geklärt werden.

Andere denkbare Aussagen sind fraglos Tatsachenbehauptungen, müssten demzufolge also – bei häufiger Meldung als „Fake News“ durch die Facebook-User – von Correctiv eindeutig als wahr oder falsch definiert werden, zum Beispiel:

  • „Russland hat die US-Wahlen manipuliert.“
  • „Die Anschläge von 9/11 waren ein Inside Job.“
  • „Assad hat Giftgas gegen sein eigenes Volk eingesetzt.“
  • „Den Bürgerkrieg in der Ostukraine hat nicht Moskau begonnen, sondern Kiew.“

Das Problem hier: All diese Tatsachenbehauptungen sind strittig. Es besteht kein öffentlicher Konsens über ihre Wahrheit. Und alle diese Aussagen sind politisch brisant. Wenn Correctiv hier über „wahr“ oder „gelogen“ entscheidet und der entsprechende Facebook-Eintrag dann gegebenenfalls in seiner „Sichtbarkeit reduziert“ wird, wie Facebook mitteilte, dann ist die Schwelle zur Zensur sicherlich überschritten.

[…] Correctiv hat noch keinerlei konkrete Kriterien für die hochsensible Arbeit entwickelt. Doch ohne diese wird es nicht gehen. Die zuständigen Mitarbeiter brauchen schriftlich fixierte Anleitungen, wie sie beim Kennzeichnen von „Fake News“ vorgehen sollen. Entscheidend ist, wie diese Kriterien dann aussehen und – wohl am wichtigsten – ob sie transparent für die Öffentlichkeit sein werden. Dazu befragt kam von Schraven bis Montag keine weitere Antwort.  […]
 heise.de

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit wurden Binnen*Sternchen für gegenderte Sprache aus diesem Artikel entfernt

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s