Malten sich im Gesicht schwarz an – jetzt braucht der Karnevalsverein Polizeischutz

„Ich bin stolz, ein Neger zu sein“, sagt Wolfgang Schuster und blickt daheim wehmütig auf Fotos, die ihn fröhlich bei der Fuldaer Fastnacht zeigen. Der 75 Jahre alten Rentner ist darauf schwarz geschminkt, trägt eine Perücke mit einem großen Knochen daran, eine Knochen-Kette und Leoparden-Fell. So lief er viele Jahre unter anderem beim Rosenmontagszug, dem größten in Hessen, mit.

Doch am kommenden Montag wird er die wilden Knochen weglassen und sich nicht mehr schwarz schminken. Schuster und der gesamte Karnevalverein Südend Fulda sehen sich Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Wegen möglicher Übergriffe bekommen sie beim Umzug sogar Polizeischutz.

[…] Personenschutz für Narren – „so etwas hat es noch nicht gegeben. Das ist ein Novum – bei uns und wohl auch an anderen Orten“, sagt Schäfer, der von einem „Riesen-Hype“ rund ums Thema berichtet.

Das alles klingt kurios, doch zum Lachen ist niemand mehr zumute. „Die Angelegenheit drückt leider die Stimmung vor dem Höhepunkt der Karnevalssession“, berichtet Gardeinspekteur Volker Rippert. Er ist Sprecher der Fuldaer Garden, die beim Rosenmontagszug mitlaufen.

„Wir wollen nur fröhlich Fastnacht feiern. Aber jetzt wissen wir nicht, was der Ärger noch alles mit sich bringt. Die Leute vom betroffenen Verein gehen auf dem Zahnfleisch, sind fix und fertig“, so Rippert.

Auslöser für die Provinz-Posse ist Kritik von Sozialwissenschaftlern. Sie sind Mitarbeiter der Hochschule Fulda, äußern sich aber als Privatpersonen. Sie werfen dem Verein vor, Rassismus und koloniale Bildwelten zu verbreiten.

Denn die Mitglieder des Südend tragen Kolonialuniformen und stellen Schwarze in parodierender Weise dar. „Dadurch wird Völkermord, Unterdrückung und Entrechtung verharmlost und gutgeheißen“, heißt es in einer Mail, die breit gestreut wurde.

 […]Der Vorsitzende des Karnevalvereins, Andreas Beck, sagt dazu: „Die Vorwürfe sind ungeheuerlich. Man muss schon viel Fantasie haben, uns wegen der Uniformen Fremdenfeindlichkeit anzudichten.“ Letztlich seien das Fantasie-Uniformen. Beck findet auch: „Die Gesellschaft wird immer dünnhäutiger. Es gibt immer mehr Leute, die sich in ihren Befindlichkeiten verletzt fühlen. Man denke nur an die Verwendung der Worte: Negerkuss oder Zigeunerschnitzel.“Ähnlich denkt auch Gardeinspekteur Rippert und vergleicht: „Beim Verein Nordend verkleidet man sich als Eisbären und Pinguine. Bald haben die womöglich noch die Tierschützer am Hals.“ […]
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Ein Gedanke zu „Malten sich im Gesicht schwarz an – jetzt braucht der Karnevalsverein Polizeischutz

  1. webmaster Autor

    Und wieder mal Androhung von Gewalt im Namen vermeindlicher Toleranz und Gutmenschtum. Es ist erschreckend zu sehen, wie grundlegende Werte zu bloßen Floskeln verkommen und wie sie zu Zwecken der Ausgrenzung, Diskriminierung und Verleumdung mißbraucht werden.

    Antwort

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