Masken verrutscht

[…] Die Bundesregierung hofft ja, dass sich das Getöse nach Erdogans Ermächtigungs-Referendum am 16. April wieder legen werde, damit sie die seichte Melodie von der „erfolgreichen Integration unserer türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger“ weiterleiern kann. Damit hatte sie die Wirklichkeit bislang kunstvoll übertönen können, bis den „Integrierten“ tausendfach die Masken verrutscht sind. Doch mit diesem (Zweck-)Optimismus, dass bald alles wieder ruhig wird, kann ich nicht schritthalten. Zumal Erdogan im Begriff ist, sein Land wirtschaftlich derart gründlich an die Wand zu fahren, dass sein Bedarf an ausländischen Teufeln nur noch wachsen dürfte. Irgendwohin muss er den Volkszorn ja ablenken.

Das dämmert Cem Özdemir natürlich, der es schließlich besser wissen sollte als wir Herkunftsdeutsche. Daher sucht der Grünen-Promi händeringend nach Winkelzügen, wie er den Deutschen zumindest eine Mitschuld am türkischen Integrationsversagen unterjubeln kann. Selbstverständlich hat er welche gefunden: „Man“ habe mit der Integration zu spät begonnen, klagt Özdemir im Fernsehen. Wen er mit „man“ hauptsächlich meint, sollte klar sein: Die Deutschen haben es vermasselt.

Na klar, ich wandere in ein Land aus, setze mich auf eine Bank und rufe den Einheimischen zu: Los, integriert mich gefälligst, und wenn ihr nicht rechtzeitig und offenherzig genug damit anfangt, kann ich für nichts garantieren, ihr Rassisten!

Deutsche Auswanderer in aller Welt wissen nichts zu berichten von großartigen Integrationsbemühungen seitens der Einheimischen. Das mussten sie schon selbst in die Hand nehmen, meistens ziemlich erfolgreich − gell, Herr Busch, Herr Trump, Herr Eisenhauer?

Ist eigentlich normal, und von nichtmuslimischen Einwanderergruppen hören wir auch fast nur Erfreuliches − nämlich gar nichts. Denen scheint die exklusiv orientalische Mischung aus Machokult, nationalistischer Deutschenver­achtung und Opfer-Gejammer nicht zu munden, weshalb sie davon nichts haben wollen. Was immerhin beachtlich ist: Schließlich winkt als deutscher Dank für Gejammer, Verachtung und Dreistigkeit der Zugang zu allen möglichen Fördertöpfen,  hochrangigen Konferenzen, gut bezahlten Stellen in der Integrationsindustrie und großspurigen Auftritten im Fernsehen!
Wollen die Chinesen und Peruaner, die Italiener und Vietnamesen, die Polen und Ceylonesen und wer noch alles aber nicht. Lieber fügen sie sich ein, lernen Deutsch und machen ihre Arbeit. Was für „Opfer“!

Wann haben Sie eigentlich den Satz „Das hat aber nichts mit dem Islam zu tun“ zuletzt gehört? Schon ’ne Weile her, was? Muss vergangene Weihnachten nach dem Massaker am Breitscheidplatz gewesen sein. Danach ist diese einstmals so populäre Standard-Parole still und leise verdorrt. Vermutlich, weil sie angesichts des allzu Offensichtlichen nur mehr als fader Witz herumgereicht wurde.
Macht aber nichts, wir haben einen neuen Trick gefunden. Die Nachfolge-Wolke für „Hat nichts mit dem Islam zu tun“ lautet „psychisch gestört“. Wo immer der neueste Axt- oder Messer-Attentäter zuschlägt, präsentieren sie uns bevorzugt diese bemerkenswerte Erklärung.

Bemerkenswert, denn: Psychisch Gestörte gab es hier zu allen Zeiten, nur das mit den Messern und Äxten ist in dieser Häufung doch recht neu. Zudem können sie uns nicht erklären, wieso diese ganz besondere Form der geistigen „Störung“ beinahe ausschließlich die Kinder Allahs befällt. Damit das nicht so hervortritt, haben sie neulich versucht, zumindest an der Herkunft eines dieser Wackelköpfe herum zu basteln. Der Axt-Schwinger von Düsseldorf stamme aus dem „ehemaligen Jugoslawien“, wurde uns zunächst beschieden.

Genauso exakt hätte man uns einen Delinquenten aus Prag als „Tatverdächtigen aus dem ehemaligen Österreich-Ungarn“ präsentieren können. Fatmir A. ist 2009 aus dem Kosovo eingereist. Zu dem Zeitpunkt war seine Heimat (nach offizieller deutscher Sicht) schon seit rund zehn Jahren ein unabhängiger Staat. Leider denken die meisten Deutschen bei „Kosovo“ an die 90 Prozent muslimische Bevölkerungsmehrheit, deshalb lieber „ehemaliges Jugoslawien“. Allerdings mussten die Behörden vermutlich einsehen, dass der Vorname Fatmir gewisse Schlüsse nahelegt. Christlich-orthodoxe Serben heißen für gewöhnlich anders.

Nun mag es sogar angehen, dass Fatmir sie tatsächlich nicht alle hat, einige Indizien stützen diese Diagnose. Aber wie will man denn die IS-Schlächter einordnen, die vor laufender Kamera Menschen den Kopf abschneiden? Machen „normale“ Leute so etwas, noch dazu mit solcher zur Schau gestellten Freude? Wo die Grenze zwischen blutigem Fanatismus und Wahnsinn verläuft, dürfte schwer zu fixieren sein.
Aber das ist alles recht kompliziert und endet, siehe oben, dann doch wieder beim Tanz um den heißen Brei radikal-islamischer Abgründe. Also was tun?
Bei einer Querfeldein-Recherche hat PAZ-Autorin Vera Lengsfeld die neueste Masche entdeckt: Bei „kleineren“ Messereien wird demnach zum mutmaßlichen Täter gar nichts mehr verlautbart. Alles Schattengestalten ohne Herkunft und Religion. Das scheint gut zu funktionieren. Jedenfalls fühlen sich die politisch Verantwortlichen wieder sicher genug, um ihren erfolgreichen Weg zu einem noch bunteren Deutschland voller Elan fortzusetzen.

Gerade erst haben die Grünen im Bundesrat dafür gesorgt, dass Marokko, Algerien und Tunesien nicht zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden, in die leichter abgeschoben werden könnte. In Nordafrika haben das die Altersgenossen der Kölner Domplattler bestimmt mit Genugtuung registriert: Das Tor bleibt offen. Nun drängt die SPD darauf, dass mehr als 100000 weitere Syrer ganz schnell per Familinnachzug ins Land geholt werden. Eigentlich sollte denen der Zutritt erst ab März 2018 gewährt werden, wenn die Wahlen durch sind. Aber das dauert den Sozialdemokraten zu lange. Ja, wir können nicht genug bekommen, alle rein, alle rein.

Immerhin betrugen die Asylkosten von Bund und Ländern 2016 erst gut 40 Milliarden Euro. Das ist zwar mehr, als der Bund im selben Jahr für Familie, Gesundheit, Bildung und Forschung zusammen ausgegeben hat und beinhaltet nur die direkten Kosten. Doch hier ist sicherlich noch Luft nach oben.

Dass sich hier besonders SPD, Grüne und Linkspartei ins Zeug legen, hat Gründe. 2013 wählten 85 Prozent der in Deutschland wahlberechtigten Menschen türkischer Herkunft eine der drei linken Parteien. Allein bei den Sozis machte das schon einen ganzen Prozentpunkt vom Gesamtergebnis aus. Der kann wahlentscheidend sein: Hätten sie das Prozent mehr schon 2005 gehabt, wäre Schröder Kanzler geblieben.

Blöderweise müssen die Ausländer aber immer erst den deutschen Pass erlangen, was viele gar nicht wollen. Deshalb führen SPD und Grüne in NRW jetzt das kommunale Wahlrecht für Nicht-EU-Ausländer wie die Türken ein. (Anmerkung: Damit sind sie glücklicherweise gescheitert!)  Dann kann Erdogans AKP wenigstens in die Stadträte einziehen und dort in bewährter Weise für Integration werben. Nämlich für den zweiten Anlauf zur Integration Europas ins Kalifat von Konstantinopel.
Preussische Allgemeine Zeitung

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