Acht Fragen an unseren Fraktionsvorsitzenden Hermann Rubbert

Herr Rubbert, Sie waren zuvor noch nie Mitglied einer politischen Partei. Warum sind Sie jetzt in die AfD eingetreten?

Ich habe zwei Töchter und möchte ihnen nicht ein völlig überschuldetes Land hinterlassen. Europaverträge und Schuldenbremsen müssten wieder eingehalten werden; Deutschland ist nicht reich genug, um alle europäischen Schulden zu tragen oder dafür zu bürgen. Auch bei uns gibt es erhebliche Finanzlücken. Die Schuldenübernahme ist der falsche Weg: Sie unterminiert den Reformwillen in den betroffenen Ländern. Die Politik der etablierten Parteien zieht unser Land in den Abgrund, und immer wieder heißt es, das sei alternativlos. Dem ist aber nicht so!

Mir gefällt, dass endlich eine Partei eine offene und ehrliche Informationspolitik fordert, die Wahrheit über die Rettungspolitik nicht aus politischem Kalkül beschönigt oder auf Zeiten nach der Wahl verschiebt. Alle den Bürgern versprochenen „roten Linien“ sind von der Bundesregierung überschritten, alle Zusagen und Verträge gebrochen worden. Nicht zuletzt dadurch haben die Altparteien für mich an Glaubwürdigkeit und Vertrauen völlig verloren.

Sind Sie nur ein Gegner des Euro oder auch ein Gegner Europas?

Weder das eine noch das andere! Die AfD ist eine europafreundliche Partei der Mitte. Für etwas anderes stünde ich gar nicht zur Verfügung. Wir sind für ein freundschaftliches Europa souveräner Staaten, aber vehement gegen die derzeitige Form der Rettungspolitik. Meine Sorge ist, dass diese Deutschland überfordert und isoliert. Wichtig ist, dass die Verträge wieder eingehalten werden, die genau die Situation, die wir jetzt haben, hätten verhindern sollen. Die Schieflage in Europa könnte durch viele Maßnahmen beseitigt werden, beispielsweise auch durch eine vernünftige Steuerpolitik und eine funktionierende Finanzverwaltung in allen Südländern. Auch wenn einzelne Länder, die das nicht schaffen, aus der Währungsunion austreten, kann der Euro erhalten werden.

Der AfD werden in der Presse häufig rechtsradikale Tendenzen unterstellt. Was ist für Sie rechtsradikal und inwieweit trifft das auf die AfD zu?

Rechtsradikalismus steht in erster Linie für Fremdenhass, den wir auf das Schärfste verurteilen. Die AfD ist gegen jede Form der Fremdenfeindlichkeit. Wir sind für politisches Asyl sowie für Asyl für Menschen aus Kriegsgebieten. Zuwanderung ist für Deutschland als Industrienation überlebens­wichtig. Deshalb sind wir für Zuwanderung nach kanadischem Vorbild, dass heißt, nach einem Punktesystem, das Sprachkenntnisse ebenso belohnt wie eine berufliche Ausbildung, Vorstrafen und Kriminalität aber negativ berücksichtigt.

Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum man uns ständig in die rechte Ecke drängen möchte – es sei denn, aus politischem Kalkül. Dann muss man sich nicht mit unseren Themen sachlich auseinandersetzen. Lesen Sie unser Parteiprogramm! Darin ist nichts auch nur annähernd Rechtsradikales zu finden. Ich persönlich wäre einer solchen Partei auch niemals beigetreten.

In der Öffentlichkeit wird die Alternative für Deutschland eher als 1-Themen-Partei wahrgenommen. Welche Themen liegen Ihnen persönlich denn abgesehen vom Euro am Herzen und wofür setzen Sie sich ein?

Wir haben uns inzwischen zu vielen wichtigen Themen geäußert: Zur Energiepolitik, Integration, Gesundheit, Rente, Pflege, Finanzen und natürlich Europa. Es wurden verschiedene Arbeitskreise eingesetzt, um detaillierte Positionen zu erarbeiten. Ich selbst arbeite zum Beispiel im Bundesfachausschuss zur Gesundheitspolitik mit – dafür bringe ich beruflich bedingt einiges an Erfahrung mit. Mir ist eine flächendeckende, hochwertige medizinische Versorgung bei freier Arztwahl wichtig. Aus diesen Gründen bin ich auch gegen den Gesundheitsfond und gegen die von rot-grün geplante Bürgerversicherung.

Ganz persönlich liegt mir auch die Rentenpolitk sehr am Herzen. Das jetzige System provoziert Altersarmut geradezu. Ein durchschnittliches Rentenniveau von nur noch 42% des letzten Verdienstes ist das niedrigste in Europa, die erforderliche Lebensarbeitszeit von 45 Jahren für eine Durchschnittsrente dagegen im Vergleich zu anderen europäischen Staaten weit überproportional hoch. Private Vorsorge hilft auch nicht, wenn die Niedrigzinspolitik gleichzeitig unsere Ersparnisse aufzehrt. Löhne, Gehälter und Renten müssen wieder steigen – diese waren seit Einführung des Euro real rückläufig, während andere Euroländer hohe Steigerungsraten zu verzeichnen hatten. Auch dies hat zur Schieflage in Europa beigetragen und hier müssen wir wieder zu einem Gleichgewicht kommen. Zumindest Inflationsausgleich muß drin sei – das ist durchaus finanzierbar. Ein Prozent mehr Rente kostet Deutschland pro Jahr 2,4 Milliarden Euro mehr, durch die angekündigten Wahlgeschenke von CDU, SPD und anderen entstehen dagegen Kosten von 28 bis 80 Milliarden – von den Beträgen, die wir bisher für Südländer bereits übernommen haben oder garantieren, mal ganz zu schweigen.

Mal ehrlich – glauben Sie wirklich, dass diese kleine Protestpartei Chancen hat, die 5% Hürde zu überspringen? Oder ist eine Stimme für die Alternative nicht unweigerlich eine verlorene Stimme?

Wir haben inzwischen mit vielen Bürgern gesprochen und stoßen auf großes Interesse und hohe Akzeptanz. Viele Leute machen sich Sorgen um die Zukunft Deutschlands und stehen leidenschaftlich hinter uns. Wir haben festgestellt, dass sich das quer durch alle Gesellschaftsschichten und Parteizugehörigkeiten zieht. Selbst viele Piraten-Wähler wollen diesmal uns wählen, weil man die Piraten ohnehin nur gewählt hatte, um den etablierten Parteien keine Stimme zu geben Wahlberechtigte sind in den letzten Jahren im Sinne eines stillen Protestes zu Hause geblieben. Sie alle möchten Schluß machen mit der Politik der gebrochenen Versprechen, der Halbwahrheiten und der Verschleierungstaktiken, haben also die gleichen Ziele und Beweggründe wie die vielen hochaktiven Mitstreiter in unserer neuen Partei und wie ich selbst. Inzwischen haben wir etwa 20.000 Mitglieder. In nur einem halben Jahr haben wir eine bundesweit agierende Partei geschaffen, die in allen Bundesländern zur Wahl zugelassen worden ist, in den meisten Wahlkreisen mit einem Direktkandidaten. Bei dem Maß an Zuspruch, das wir erfahren haben, bin ich sicher, dass die 5%-Grenze keine Hürde für uns ist!

Sie treten für den Kreis Viersen als Direktkandidat an. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Sie gewählt würden und im September als Abgeordneter nach Berlin gingen – was wären Ihre Grundsätze und Vorsätze? Wie sollte ein Politiker sein?

Ein Politiker sollte in erster Linie offen und ehrlich sein und Fachkenntnisse auf den Gebieten aufweisen, auf denen er mitredet. Er muss aus Überzeugung die Auffassung vertreten, dass Politik den Bürgern nicht von oben zu verordnen ist, sondern dass er den Bürgern dient. Er muss also ein offenes Ohr für die Belange und Sorgen der Menschen haben. Und das vermisse ich in der Europapolitik, in der Rentenpolitik, in der Gesundheitspolitik, in der Integrationspolitik und in der Energiepolitik. Hier wird Merkel´sche Basta-Politik von oben nach unten gemacht. Daran würde ich gerne etwas ändern!

Seit gut sechs Wochen sind Sie nun aktiv politisch tätig. Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

In dieser kurzen Zeit haben wir hier in Viersen einen schlagkräftigen Kreisverband aufgebaut.  Es war für mich eine tolle Erfahrung, mit welchem Engagement und mit welchem Enthusiasmus alle mit anpacken und wieviel Freizeit alle geopfert haben, um Deutschland eine politische Alternative zu geben. Diese Ziel hat uns alle zu einem tollen und schlagkräftigen Team zusammengeschweißt und dafür möchte ich mich auch an dieser Stelle  sehr, sehr herzlich bei all den Hochaktiven bedanken, die den Parteiaufbau nach innen weiterbringen, die Informationsstände für Bürger besetzen, Gespräche mit Bürgern führen, unsere Ziele bekannt machen und unsere Wahlplakate anbringen. Und ich bin sicher: Wenn Deutschland nach der Wahl die Kosten einer verfehlten Rettungspolitik präsentiert bekommt und Herr Schäuble und die Bundeskanzlerin die Wahrheit nicht mehr verschleiern können oder wenn Rot-Grün Eurobonds einführt und die Schuldenunion besiegelt, werden wir sprunghaft weiter expandieren.

Verraten Sie uns etwas zu Ihrer Person?

Ich bin verheiratet und habe zwei 2 Töchter, von denen eine Tiermedizin in München studiert (sie wechselt jetzt zu Humanmedizin), während sich die andere langsam auf das Abi vorbereitet. Meine Frau ist Juristin, ich selbst bin seit langem im Gesundheitswesen in führender Position tätig: Viele Jahre lang als leitender Direktor bei der AOK Rheinland und seit etwa 13 Jahren als Hauptgeschäftsführer der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein. Meine Hobbys sind Fliegen, Segeln und Motorradfahren und ich bin Mitglied in Mensa e.V.

Herr Rubbert, vielen Dank für das Interview und von unserer Seite viel Erfolg!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s