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Flüchtlingsstrom aus Italien: Katastrophale Zustände am Rosenheimer Bahnhof: „Belastungslimit ist überschritten“

Hunderte Flüchtlinge ohne Papiere zieht die Bundespolizei jeden Tag aus den Zügen, die am Hauptbahnhof in Rosenheim halten. Alle müssen kontrolliert und registriert werden. Die Bundespolizei ächzt unter der enormen Arbeitsbelastung.

[…] Die Bundespolizei kann diesem Ansturm kaum gerecht werden. Mal zieht sie knapp 150 Flüchtlinge aus einem Zug, mal sind es nur fünf. Rainer Scharf, Pressesprecher der Bundespolizei Rosenheim, sagte im Gespräch mit FOCUS Online: „Das Belastungslimit für uns ist überschritten.“

Es sei eine „enorme Herausforderung“ für die Beamten, täglich so viele Züge zu kontrollieren und Migranten zu registrieren. Obwohl die Polizei mit 550 Beamten im Grenzgebiet im Einsatz ist, lässt sie teilweise Züge unkontrolliert nach München weiter fahren. […]

Das Problem am Bahnhof Rosenheim, knapp 30 Kilometer entfernt von der österreichischen Grenze: Hier laufen zwei Hauptrouten von Flüchtlingen zusammen. Die „Brennerroute“ und die „Balkanroute“. Die meisten Flüchtlinge kommen den Angaben der Polizei zufolge aus Eritrea, Syrien,  Afghanistan, dem Irak und dem Kosovo.

Kommt ein Zug aus Italien an, steigt eine Streife der Bundespolizei vorne ein, eine weitere hinten. Die Beamten fragen nach Pässen und Papieren, wer sich nicht ausweisen kann, wird gebeten, auszusteigen. Die Flüchtlinge sammeln sich in großen Gruppen auf den Treppen zum Bahnsteig. Familien mit kleinen Kindern, junge Männer, Schwangere  – sie wissen zum Teil nicht, wo sie sind, was gerade passiert und wie es weitergeht.

„Wir versuchen dann, von jedem Flüchtling zumindest den Namen und die Nationalität aufzunehmen, damit wir einen Dolmetscher verständigen können“, erklärt der Polizeisprecher.

[…] Auf eine detaillierte Vernehmung wird nach Möglichkeit verzichtet, dazu fehlen der Bundespolizei die Kapazitäten. Generell versuche man, die Flüchtlinge nach zwei bis vier Stunden weiterzuschicken. Sie dürfen dann zu Fuß oder im Polizeibus zurück zum Bahnhof und nach München in die Erstaufnahmestelle weiterfahren.

Während der Kontrolle steht der Zug am Rosenheimer Hauptbahnhof oftmals eine halbe Stunde. Auch die Bahnreisenden sind deswegen irritiert. FOCUS Online ist bekannt, dass es aufgrund der langen Wartezeiten durch die Polizeikontrollen Beschwerden von Bahnkunden gab. Die Deutsche Bahn hält sich in dieser Frage bedeckt. In einem Statement gegenüber FOCUS Online heißt es: „Wir versuchen natürlich alles zu unternehmen, was die Situation für die Asylsuchenden wie für Kunden und Mitarbeiter generell erleichtert.“ […]
Focus vom 12.08.2015

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