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Das Milliarden-Loch: Wie der Niedrigzins unsere Rente vernichtet

Der Staat kann seine Schulden dank Mini-Zinsen zügiger abbauen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Nicht nur private Lebensversicherungen bringen kaum Rendite, auch für die staatliche Rente ist bald kein Geld mehr da.

[…] Dem Staat ergeht es derzeit ähnlich wie den Anbietern von privaten Renten- und Lebensversicherungen, die die Hoffnungen ihrer Kunden auf solide Auszahlungen in der Zukunft wohl werden enttäuschen müssen. Diesen Bereich hatte die Politik vor rund zehn Jahren bewusst stärken wollen – etwa mit der Einführung von Riester-Renten. „Es muss uns extrem beunruhigen, dass wir ausgerechnet jetzt, wo das Rentensystem zum Teil auf die Kapitaldeckung umgestellt worden ist, in eine solche Niedrigzinsphase laufen“, sagt Martin Werding von der Ruhr-Uni Bochum.

[…] Und auch die Unternehmen, die für die Betriebsrenten ihrer Mitarbeiter weit mehr zurückstellen müssen als früher angenommen, bekommen Probleme: Berechnungen des Forschungsinstituts Flossbach von Storch zeigen, dass das sogenannte Pensionsdefizit der Dax- und MDax-Konzerne – also jener Anteil der künftigen Auszahlungen, der nicht durch bereits beiseitegelegtes Vermögen gedeckt ist – wegen der niedrigen Zinsen im vergangenen Jahr von 316 auf 390 Milliarden Euro angestiegen ist.

[…] Für Firmen wie Finanzminister Schäuble heißt das: Um auf der sicheren Seite zu sein, müssten sie eigentlich noch besser vorsorgen. […]
Handelsblatt vom 08.05.2015

Die Niedrigzinsen im Zuge der Eurorettung haben bisher im Schnitt jeden Bürger in Deutschland 1.400 € gekostet, macht für ganz Deutschland 112 Milliarden €:  http://bit.ly/1IR0dtX

Nutznießer der fatalen EZB-Geldpolitik ist Wolfgang Schäuble: Er wird durch die niedrigen Zinsen nach Berechnungen des IfW in den kommenden Jahren insgesamt rund 160 Milliarden Euro einsparen.Im Klartext: Ein Teil des Vermögens der Sparer wird praktisch enteignet, während sich die Schuldenstaaten sanieren.

Niedrigzinsen kosten Verbraucher 112 Milliarden Euro laut DZ Bank

In den vergangenen Jahren herrschte eine Phase extrem niedriger Zinsen vor. Das hat die Verbraucher eine Menge Geld gekostet – trotz der Vorteile durch geringe Kreditkosten. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der DZ Bank gekommen.

[…] Als Vergleichswert für die vergangenen Jahre legten die Experten das durchschnittliche Zinsniveau der Jahre von 1998 bis 2009 an, das bei 4,2 Prozent gelegen hatte. Grob gerechnet machten die Bundesbürger durch die niedrigen Zinsen in den vergangen fünf Jahren demnach pro Kopf einen Verlust von rund 1400 Euro.

[…] Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Zinsen in der nächsten Zeit weiter im Keller bleiben. Grund dafür sei das umfangreiche Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank hatte am 22. Januar verkündet, bis Ende September 2016 jeden Monat 60 Milliarden Euro in die Märkte zu pumpen, um das Risiko einer Deflation abzuwenden. Das Programm startete Anfang März. Die EZB setzt darauf, dass Investoren nach dem Abkauf von Staatsanleihen ihr Geld anderswo investieren, so das Wachstum ankurbeln und eine gefährliche Spirale aus sinkenden Preisen verhindern. T-online vom 09.04.2015

Die Diskriminierung des Sparens

Früher gab es den Weltspartag, heute stehen Sparer einer Front des offensiven Klugscheißer- und Besserwissertums gegenüber. Kommt der Euro-Schein mit Verfallsdatum?

Man kann nicht Wohlstand schaffen, indem man die Lust zum Sparen nimmt.
(Abraham Lincoln, amerikanischer Präsident)

Bei den Banken jedenfalls könnte der Sparer bald nicht mehr sehr hoch angesehen sein. Pünktlich zum Weltspartag am 31. Oktober ging durch die Presse, dass eine Bank tatsächlich negative Zinsen auf das Sparguthaben ihrer Kunden erheben wird. Im Grunde sind das dann keine Zinsen mehr, sondern Lager- und Aufbewahrungsgebühren. […]

IWF und EZB wollen den Deutschen am liebsten „ihre antiquierte Spar-Manie“ abgewöhnen, heißt es spöttisch.[2] Da sie die EZB bei Zinspolitik und Ankauf fragwürdiger Kreditverbriefungen und bald auch ebenso zweifelhafter Unternehmensanleihen nicht wirklich überzeugend einbremst, muss man der derzeitigen Regierung in Deutschland unterstellen, dass sie das im Grunde auch richtig findet.

Warum auch nicht? Die Zinspolitik der EZB kommt doch auch ihr zu Gute, sie kann sich so billig wie nie verschulden. Angesichts niedriger Zinsen und eines schleichenden Wertverlust des Geldes schrumpfen die Schulden des Staates real, während die Menschen das Geld lieber raushauen, was über vermehrte Verbrauchssteuer-Einnahmen auch wieder dem Staat nützt – zur Zeit zumindest. Dass immer weniger für die Altervorsorge getan wird in Deutschland, dass wir in eine Demographiekatastrophe hineinschlittern: egal! Da sind dann andere zuständig. Das ist dann der Fluch der späten Geburt. Pech gehabt.

[…] Die globalen Glücksbringer, die glauben, dass die Völker durch Gelddrucken und ständig höherer Ausgabenpolitik reich werden und das mit medialer Macht in alle Winkel der Erde verbreiten, sind leider immer noch auf dem Vormarsch. Die ganze Entwicklung hin zur Diskriminierung und Sanktionierung des Sparens zeigt es ja wohl deutlich genug.

Eigentlich kann eine Politik der immer größeren Verschuldung und des immer weiter getriebenen Entsparens nicht gutgehen, es widerspricht der Logik. Menschen, die auf ihren eigenen Verstand und ihre eigene Erkenntnisfähigkeit vertrauen wollen, sehen sich aber einer massiven Front des offensiven Klugscheißer- und Besserwissertums gegenüber und fragen sich immer wieder, wer die Realität denn besser wahrnimmt: die Verkünder der ewigen Glückseligkeit durch verstärkte Ausgaben oder doch die Nachdenklichen?

So ist gerade die Situation, und dazu passt gut eine Bemerkung des englischen Philosophen Bertrand Russel: „Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind immer so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“
Geolitico vom 07.11.2014

US-Manager Verrückter Vorschlag: Deutsche Steuern sollen Italien retten

Jim O’Neill, früher Investment-Chef bei Goldman Sachs, hat einen Vorschlag zur Euro-Rettung, der wie ein schlechter Scherz klingt. Deutsche sollen ihre Sparsamkeit mit Extra-Steuern bezahlen, die direkt nach Italien und Spanien fließen. Ist der irre?

„Ich habe eine verrückte Idee“ – wenigstens ist Jim O’Neill in einem Beitag für den Brüsseler Think Tank Bruegel so ehrlich, seine folgenden Worte mit dieser Warnung einzuleiten. Der frühere Investment Chef der Großbank Goldman Sachs ist ein erfolgreicher Manager.

[…] Das Problem der Eurozone ist derzeit ihre Heterogenität. Während Deutschland als größte Volkswirtschaft einen strikten Sparkus fährt und damit trotz sinkender Prognosen immer noch am erfolgreichsten in Europa ist, ächzen die Nummern zwei und drei, Frankreich und Italien, unter vielen Schulden, schwacher Wirtschaft und hoher Arbeitslosigkeit.

[…] O’Neill geht davon aus, dass verschuldete Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien mehr Handlungsspielraum brauchen, sprich, mehr Schulden machen müssen. Das ginge leichter, wenn die Inflation im Euro-Raum bei den von der Europäischen Zentralbank angepeilten zwei Prozent liege. Logisch, denn dann wird nicht nur das Geld der Bürger, sondern auch die Schulden der Staaten entwertet. Aktuell liegt die Inflation nur bei 0,4 Prozent.

[…] Nun würde es die Inflation der Eurozone stark anheben, wenn die Inflation im stärksten Wirtschaftsraum, also Deutschland, entsprechend stiege. Das tut sie aber nicht. So schlägt O’Neill vor, die Deutsche dafür zur Kasse zu bitten. Sie sollen eine Ausgleichssteuer für ihre niedrige Inflation zahlen – je niedriger die Teuerungsrate, desto höher die Steuer. Das Geld solle direkt in die Schuldenstaaten Südeuropas fließen. Zudem könnte Italien etwa auch deutsche Urlauber extra besteuern – Hauptsache, der Kapitalfluss von Deutschland nach Italien/Spanien/Frankreich läuft. […]
Finanzen 100 vom 06.11.2014

 

Tagesgeld: Neuer Zinshammer: Erste Bank verlangt Geld für Spareinlagen

Dass Sparer für ihr Geld kaum noch Zinsen bekommen, ist schlimm genug. Doch nun kommt es für manche noch härter: Zum ersten Mal sehen sich Privatkunden mit Negativzinsen auf Tagesgeld konfrontiert.

Ab dem 1. November erhebt die deutsche Skatbank, eine Zweigniederlassung der VR-Bank Altenburger Land, bei ihrem „Skatbank-Tagesgeld“-Konto einen negativen Zins von 0,25 Prozent. Das berichtet das Vergleichsportal Verivox. Für Sparer bedeutet das: Sie müssen die Bank dafür bezahlen, dass sie ihr Geld dort deponieren dürfen.

Der Negativzins gilt für Einlagen über 500.000 Euro. Nach Angaben von Verivox ist es der erste Strafzins unter den über 800 Banken und Sparkassen, deren Konditionen das Portal  täglich recherchiert.

Ein Mitarbeiter der Skatbank sagte, dass ab der 500.000-Euro-Schwelle schon bisher keine Zinsen mehr gezahlt worden seien. Künftig werde nun der Minuszins von 0,25 Prozent fällig. Begründet wurde dieser Schritt mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).[…]
Focus Online vom 29.10.2014

Siehe dazu auch
Focus vom 24.09.2014

Horrende Zinsverluste – 23 Milliarden Miese: Darum bluten deutsche Sparer für die Euro-Krisenstaaten

Ihre Spardisziplin wird den Deutschen zum Verhängnis: Weil sie so viel Geld bei der Bank und dafür nur geringe Schulden haben, bekommen sie den Zinshammer der EZB besonders hart zu spüren. Der Profiteur ist Südeuropa.

Ende des Euro: Deutsche Bank prophezeit Verfall der Gemeinschaftswährung

Sollte diese Prognose eintreffen, steht Europa vor der Spaltung

Die Deutsche Bank prophezeit in einer aktuellen Währungsprognose einen Absturz des Euros unter einen Dollar. Bereits 2017, so prophezeien Analysten des Finanzinstituts, ist die europäische Währung nur noch 95 US-Cent wert.Dieses Szenario, sollte es denn eintreffen, wäre ein Debakel für den Euro-Raum – und wohl das vorläufige Ende der gemeinsamen Finanzpolitik. […]
Huffington Post vom 10.10.2014

Draghi schürt einen Währungskrieg

Niemand sollte EZB-Chef Draghi und seine Gelddruckmaschine unterschätzen: Er entwertet den Euro und bringt andere Währungen in Zugzwang. Sein Tun ist verhängnisvoll.

Während in zahlreichen muslimisch geprägten Ländern Religionskriege ausgefochten werden, hat sich in den Industrienationen der Zentralbankkult als vorherrschende Glaubensrichtung fest etabliert. Vor allem die Eliten der Politik und des Großbankenkartells suchen ihr Heil in dieser neuen Lehre. Und tatsächlich können sie darauf verweisen, dass ihr Herr – es ist der Herr der Gelddruckmaschine – ihnen in der allergrößten Not in den Jahren 2008/09 zu Hilfe eilte und Manna regnen ließ in Form von frisch gedrucktem Geld.

Seither wetten die Anhänger dieses Kults in ganz großem Stil darauf, dass ausgerechnet den Zentralbankbürokraten das gelingt, woran bisher noch alle Planwirtschaftler gescheitert sind und auch in Zukunft scheitern werden: Die dauerhafte Unterdrückung der Marktkräfte.

[…] In unserer ganz realen Welt mit ihren begrenzten Ressourcen und der Notwendigkeit hart zu arbeiten, ist eine schwache Währung nämlich kein erstrebenswertes Ziel. Das wissen die meisten Deutschen ebenso gut wie die Japaner. Denn die spektakuläre Wohlstandsmehrung, das Wirtschaftswunder, das Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben, ging Hand in Hand mit einer harten D-Mark und einem starken Yen.

[…] In Europa hat der „Draghiödie“ zweiter Teil begonnen. Er handelt von dem Weg zur Eulira, den der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi eingeschlagen hat. Er zeigt sich fest entschlossen, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um den Euro in eine Eulira zu verwandeln. Niemand sollte diesen Mann und seine Gelddruckmaschine zu unterschätzen.[…]
Geolitico vom 09.10.2014

Die EZB schädigt die deutschen Sparer massiv: 23 Milliarden Euro Verlust

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hat eine kräftige Umverteilung innerhalb des Euroraums bewirkt, ohne die Krise wirksam zu bekämpfen. Dabei schädigt die EZB die deutschen Sparer schwer. Die Niedrigzinspolitik hat die Privathaushalte in Deutschland seit dem Jahr 2010 etwa 23 Milliarden Euro gekostet. In absoluten Zahlen sind die deutschen Privathaushalte damit die größten Verlierer der Geldpolitik in der Finanzkrise.

[…] Draghi will solche Schulden sogar in Griechenland und Zypern aufkaufen, obwohl das Kreditrating beider Länder nur auf Ramschstatus liegt und die EZB das Kreditstanding der dortigen Banken nach ihren eigenen Regeln nicht höher einstufen darf. Die EZB wird damit genau die Kreditrisiken übernehmen, die eigentlich die Banken zu tragen haben und das ohne die Erfahrung im Umgang mit solchen Krediten. Auf Dauer wird es dazu führen, dass die Banken noch leichtfertiger Darlehen vergeben, weil sie die Risiken am Ende nicht oder nur teilweise selbst tragen. Angesichts des mit dem Schuldenaufkauf verbundenen enormen Risikos erhofft sich Draghi Garantien der Regierungen für die besonders riskanten Schuldenpakete, die die EZB sonst nicht kaufen möchte und die dann an den Banken hängen bleiben würden.

Doch mit einem solchen Schritt geht die EZB eindeutig über die Grenzen ihrer legalen Möglichkeiten hinaus, bedroht die deutschen Steuerzahler und missachtet den Widerstand der Bundesregierung. […]
DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN vom 04.0.2014

Deutschlands wirtschaftlicher Abstieg hat längst begonnen

Die Konjunktur im Aufschwung, die Bürger in Weltmeisterlaune: Hochmütig blickt Deutschland auf andere Wirtschaftsnationen herab und will Vorbild sein. Dabei hat der eigene Abstieg längst begonnen.

[…] Die Phase, in der wir uns aktuell befinden, ist das letzte Hurra einer großen Wirtschaftsnation. Sie ist beflügelt von einer Sonderkonjunktur, getrieben von Faktoren, die bald auslaufen oder sich sogar in ihr Gegenteil verkehren werden.

[…] Während in Deutschland der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Vollzeitkräften bis heute nicht wieder das Niveau des Jahres 1995 erreicht hat, schossen in vielen anderen Ländern, darunter den späteren Krisenländern der Euro-Zone, die Löhne in die Höhe.

[…] Immer größere Teile der industrialisierten Welt lebten über ihre Verhältnisse. Ablesbar ist das an Leistungsbilanzen. Gibt ein Land mehr Geld aus, als es selbst erwirtschaftet, kippt die Leistungsbilanz ins Minus. In den Jahren 2005 bis 2007 erreichten die Defizite in der Summe bis dato in ungekannte Höhen, sowohl absolut, also in Euro oder Dollar, als auch in Prozent der Wirtschaftsleistung.

Wir Deutsche waren es nicht, die damals über die Stränge geschlagen haben. Aber wir haben profitiert von den Exzessen anderer. Und inzwischen profitieren wir von dem Mittel, das eingesetzt wird, um die Folgeschäden zu beseitigen: extrem niedrigen Zinsen.

[…] Die niedrigen Zinsen sollen Griechen, Spaniern und Italienern helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Was aber in der öffentlichen Debatte gern vergessen wird: Zugleich profitieren Konjunktur und Arbeitsmarkt auch hierzulande, und zwar massiv. Zu D-Mark-Zeiten gab es in Deutschland immer wieder leidenschaftliche Diskussionen darüber, ob der Leitzins, den die Bundesbank festlegte, gerade vielleicht einen Viertelprozentpunkt zu hoch lag oder zu niedrig. Im vergangenen Jahr dagegen hätte die EZB, wenn sie sich an der Lage in Deutschland ausgerichtet hätte, den Leitzins einschlägigen Berechnungen zufolge auf etwa vier Prozentpunkte festlegen müssen. Tatsächlich lag er fast bei null.

Das Ergebnis ist ein gigantisches Konjunkturprogramm für Deutschland. Verbraucher legen kein Geld mehr zurück, weil Sparen sich nicht mehr lohnt. Stattdessen gehen sie auf Einkaufstour wie lange nicht, häufig bezahlt mit Nullprozent-Finanzierungen. Unternehmen bekommen so günstig Kredit, dass Fachleuten zufolge Tausende malade Firmen künstlich am Leben gehalten werden. Und die Finanzminister können ihre Etats sanieren, ohne sparen zu müssen. Nach Berechnungen der Bundesbank bescherte die Zinserosion dem deutschen Fiskus allein im vergangenen Jahr fast 37 Milliarden Euro.

Die beispiellos lange Phase beispiellos niedriger Zinsen ist für die deutsche Konjunktur eine Art Dauerdoping. Doch das führt nur scheinbar zu größerer Leistungskraft, und es wird teuer erkauft. Wie bei jedem Langzeitdoping sind viele schwerwiegende Begleiterscheinungen zu befürchten. Banken und Versicherungen werden destabilisiert; Zombiefirmen werden zum Schaden aller künstlich am Leben gehalten; Finanzminister und Stadtkämmerer lassen die Zügel schleifen; Bürger werden verleitet, die finanzielle Vorsorge fürs Altenteil zu vernachlässigen; und am Ende könnte auch noch eine Immobilienblase entstehen.

Unabhängig davon droht noch etwas anderes: eine konjunkturelle Überhitzung. Die deutsche Wirtschaft könnte unter dem Dopingeinfluss auf ein Tempo beschleunigt werden, das sie nur kurze Zeit durchhalten kann. […]
DIE WELT vom 25.09.2014